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Ein sprechender Titel: Adieu m’amour. Modernes Video, der mittelalterliche Komponist Josquin Desprez, der „berüchtigte“ zeitgenössische Komponist Mathias Spahlinger und der große, russische Komponist Alfred Schnittke über Vergänglichkeit, Trauer, Verlust. Der Versuch, mit Musik auszudrücken, wo die Worte im Halse steckenbleiben. Adieu m’amour ist von altersher eines der großen Sujets der Kunst. Angefangen bei den griechisch-römischen Elegien über die Ritterromane des Mittelalters bis zu den heutigen Hollywood-Produktionen, in denen die Lovestory nicht ausbleiben kann. In Adieu m’amour wird folgerichtig der hochmittelalterliche Gesang eines Josquin mit zeitgenössischer Videokunst verbunden. Noch wird der Verlust „gesungen“, wird Trauer sublimiert mit „schöner“ Musik. Mathias Spahlingers gleichnamiges Stück für Violine und Violoncello dagegen thematisiert das „Wegbleiben“ der Sprache, auch der musikalischen, angesichts des Verlustes. Versuche, ein Thema des mittelalterlichen Meisters aufzugreifen, weiterzuführen, münden in das Versagen des schönen Tons. Im zweiten Teil des Abends dann die große, elegische Sonate für Violoncello und Klavier von Alfred Schnittke. Auch dieses Stück ist in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts komponiert worden und bildet vielleicht die Brücke zwischen den beiden Ausdrucksmöglichkeiten des Mittelalters und der Avantgarde: große Melodiebögen konfrontiert mit sarkastisch-wütenden, bruitistischen Walzerversuchen. Eine Hommage an den großen Komponisten, der 1998 bei Hamburg verstorben ist. Sebastian Berweck
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